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Zensurbefürworter Und Die Content-Mafia Holen Zum Gegenschlag Aus [Update]

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Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet gerade, dass die einschlägigen Marionetten des Familienministeriums, Zensurbefürworter und die Content Mafia gemeinsame Sache machen und zum Schlag gegen die Zensurkritiker ausholen wollen. Anscheinend soll das mindestens mit einer Presseerklärung oder mit einer (Gegen-)Petition gemacht werden, das ist derzeit noch etwas unklar. Wie auch immer scusiblog informiert euch schon mal über die Akteure in diesem heuchlerischen Spiel.

ECPAT, Innocence in danger, der IVD und möglicherweise weitere Organisationen wollen wohl für die geplanten Internet-Sperren eintreten. Na dann, schauen wir uns diese Akteure und ihre Interessen mal an.

ECPAT

Der Verein ECPAT Deutschland e. V. beschreibt sich selber als “Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder gegen sexuelle Ausbeutung” und ist ein bundesweiter Zusammenschluss von 28 Institutionen und Gruppen (nach eigenen Angaben). ECPAT ist die einzige Organisation die ich kenne, welche sich den Schutz von Kindern auf die Fahne schreibt - was ja eigentlich eine tolle Sache ist - und gleichzeitig mit ihrer Sprache die Betroffenen Kinder diffamiert. Unter dem Stichwort Kinderpornografie und Internet heißt es gleich zu Beginn:

Pornografie mit Kindern ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.

Ich halte fest. Wir haben es hier mit - selbst ernannten - Kinderschützern zu tun, die betroffenen Kindern, zumindest sprachlich unterstellen freiwillig mitgemacht zu haben. Ich habe das ja in meinem Posting Über den Begriff “Kinderpornografie” ausführlich erklärt, und spare mir das hier. Unglaublich. Was sind den das für Kinderschützer? Die scheinen mir mindestens mittelmäßig Merkbefreit zu sein.

Aber das war noch noch nicht alles. Auf der Seite werden auch die 13 Lügen der Zensursula fleißig verwurstet, ohne auch nur eine einzige Quelle zu nennen. Ich vermute mal es gibt auch keine dafür, das ist alles frei Erfunden damit man schön Geld bekommt. Wie heißt es dazu auf der Webseite?

Die Arbeit von ECPAT Deutschland e.V. wird gefördert vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor e.V., vom Evangelischen Entwicklungsdienst durch den ABP, durch die Europäische Kommission, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), […]

Aha, die finanzieren sich also aus den Mitteln der Kirchen, der EU und - wer hätte es gedacht dem Ministerium für Zensur und Familien Internet von uns Uschi. Das dürfte schon ausreichend erklären wessen Wort da geredet wird.

Die finanzielle Abhängigkeit von den Kirchen erklärt dann vielleicht auch warum man unter der gleichen Überschrift (Kinderpornografie und Internet) dann auch mal munter normale, also völlig legale Pornografie mit dem dokumentierten Missbrauch von Kindern gleichsetzt.

Zum Beispiel im folgenden Absatz:

Doch nicht nur Kinder, die für kinderpornografische Darstellungen missbraucht werden, leiden oft ihr Leben lang. Auch Kinder, die mit diesem Material in Kontakt kommen, sind in ihrer Entwicklung bedroht. Nach einer Studie der Europäischen Kommission sind ein Viertel aller Kinder zwischen acht und siebzehn Jahren, die das Internet nutzen, dort schon auf pornografisches Material gestoßen.

Da wird erst von der - zweifellos gegebenen - Traumatisierung und Beeinträchtigung der Kinder durch den Missbrauch für kinderpornografische Darstellungen geredet. Um das dann mit ganz normaler - legaler - Pornografie gleich zu setzten. Sehr differenziert diese ECPAT Leute.

Es geht gleich im nächsten Absatz weiter. Dort wird beschrieben wie Pädos Chaträume nutzen um sich an Kinder und Jugendliche ran zu machen, keine Frage das gibt es und wird - leider - immer wieder Beobachtet. Da hilft nur Medienkompetenz, vor allem bei den Kindern aber auch bei den Erwachsenen (Eltern). Im nachfolgenden Absatz heißt es dann:

Davon betroffen sind auch die Menschen im Süden. Eine im Sommer 2002 in Thailand durchgeführte Studie ergab, dass 71 Prozent der 12- bis 25 jährigen, die das Internet nutzen, pornografische Websites besuchten.

Mit dem Davon betroffen wir eine Verbindung zum vorherigen Absatz (Wie Pädophile Chaträume zur Anbahnung nutzen) suggeriert, ob wohl es um was ganz anderes geht. Es geht um junge Menschen (12-25 Jahre) die das Internet u.a. nutzen um sich Pornos anzusehen. Ich meine Minderjährige sollten - und dürfen - sich keine Pornos ansehen, auch nicht im Internet aber allein die Altersgruppe ist ja schon irre führend. Die in der angegebenen Altersgruppe enthaltene Gruppe der 18-25 Jährigen darf sich natürlich - ganz normale - Pornografie im Internet ansehen, so viel sie wollen. Da allerdings völlig unklar ist wie groß der Anteil der 12-18 jährigen an den erwähnten 71% ist sagen diese Zahlen überhaupt nichts aus, und sind obendrein auch noch völlig fehl am Platze mit diesem Bezug auf den vorhergehenden Absatz.

ECPAT scheint vor allem eines zu sein, äußerst unseriös. Sprache ist halt doch verräterisch.

So, kommen wir zu den nächsten im Bunde: Innocence in danger Innocence in danger, das ist die Frau vom Guttenzwerg und noch ein paar Adlige oder solche die es gerne wären. Wie die gegen das Problem arbeiten kann man sich hier ansehen. Zahlen die dieser Verein kolportiert sind absolut unglaubwürdig und von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Die kommen von einem Hersteller für Internet-Filter-Software, der hier natürlich ein großes Geschäft wittert und von 23 Milliarden Euro Umsatz der Kinderporno-Branche spricht. Natürlich kommen die Blaublüter dabei ganz ohne Quellenangaben aus, so was braucht der Adel nicht, glauben die wohl. Zu Innocence in danger empfehle ich:

IVD - Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland e.V. Last but not least, der IVD. Waren die das nicht mit den Sperren für YouPorn? Wie auch immer der IVD ist eine Ausgeburt der Content Mafia, Zitat von ihrer Homepage:

Die vom IVD unterstützte Forderung: „Die Durchsetzung des Jugendschutzes liegt in der Hand der Internet-Service-Provider. Diese müssen endlich vom Gesetzgeber gezwungen werden, die massive Nutzung des Internets zur Übermittlung von illegalen Inhalten einzuschränken.“

Danke, sehr erhellend. Der IVD versucht also unter dem Deckmantel und im Windschatten des Kinder- und Jugendschutzes sein eigenen Interessen zu verfolgen und versucht über dieses Mittel das eigenen (völlig kaputte) Geschäftsmodell aus dem letzten Jahrtausend durch den Staat retten zu lassen. Da haben sich die selbst ernannten Kinderschützer ja einen schönen Kompagnon ins Boot geholt. Fehlt eigentlich nur noch der Verband der deutschen Musikindustrie, aber die Starten ja gerade einen Versuch 3-strikes bei uns einzuführen.

Spätestens jetzt muss auch dem letzten klar sein das der dokumentierte Missbrauch von Kindern nur ein dummy ist. Darum geht es den Beteiligten wirklich nicht, noch nicht mal den selbst ernannten Kinderschützern, die erstmal ihren Sprachgebrauch überdenken sollten. Es geht um Geld, Macht, Einfluss, die Kontrolle des Internets, um die Kontrolle von Inhalten, also letztendlich um Zensur im Netz.

Ich glaube nicht das die Kinderschützer den Kindern etwas gutes tun wenn sie ihnen das großartigste und demokratischste Kommunikationsmedium was die Menschheit je gesehen hat kaputt machen, weil sie nichts kapiert haben und immer noch in der analogen Welt des 19 Jahrhunderts leben.

Update | Do 14. Mai 18:47:45 CEST 2009 Das Hadelsblatt hat dazu inzwischen auch einen Artikel, “PR-Schlacht um Kinderporno-Sperren”.

Update | Fr 15. Mai 12:17:41 CEST 2009 Noch ein paar Links zum Thema: